Zunehmende Kooperation für die Biodiversität

Amt für Ländliche Entwicklung Oberpfalz und Landesbund für Vogelschutz besichtigen das gemeinsame "Bäche-Projekt" in Waldthurn und bekräftigen die weitere Zusammenarbeit

Dr. Norbert Schäffer (1.v.l, LBV), Bürgermeister Beimler (2.v.l) und Thomas Gollwitzer (4.v.l, ALE) an einem naturnahen Abschnitt der Luhe

Dr. Norbert Schäffer, der Vorsitzende des Landesbundes für Vogelschutz in Bayern e.V. (LBV) machte sich bei seinem Besuch am Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) Oberpfalz und im Markt Waldthurn ein Bild von der vielseitigen Kooperation in gemeinsamen Projekten.

02.08.2019

Regierungsbezirk: Oberpfalz

In einer Gesprächsrunde mit dem Leiter des Amtes für Ländliche Entwicklung Oberpfalz, Thomas Gollwitzer, sowie Fachleuten des ALE und LBV wurden die Ergebnisse und Erkenntnisse aus laufenden Gemeinschafts-
projekten diskutiert. Die langjährige und vielschichtige Zusammenarbeit hat bereits in einigen Projekten zur Sicherung und Stärkung der biologischen Vielfalt beigetragen.
So konnten im Rahmen der Flurneuordnung Hannesried ca. 8 ha landwirtschaftliche Flächen zusammengelegt und kostengünstig an die Kreisgruppe Cham des LBV übergeben werden. Diese Flächen sind Teil eines Beweidungskonzepts, das die Offenhaltung der artenreichen Auenlandschaft durch angepasste landwirtschaftliche Nutzung zum Ziel hat.
Besonders attraktive Ergebnisse zum Artenschutz sind durch das Zusammenwirken von ALE und LBV mit der Gemeinde Ursensollen im Landkreis Amberg-Sulzbach entstanden. Beim Umbau einer alten Trafostation zum Artenschutzturm und eines baufälligen Felskellers zum Fledermausquartier hat das ALE seine Kompetenz der Bürgerbeteiligung und Fördermittel der Dorferneuerung eingesetzt, der LBV das Fachwissen und Engagement seiner Mitglieder.

Aktuell unterstützt das ALE Oberpfalz die beiden Modellgemeinden Waldthurn und Kohlberg bei der Umsetzung von Maßnahmen, die sie im Rahmen des LBV-Projekts „Lebendige Bäche in Bayern“ gemeinsam mit ALE- und LBV-Fachleuten entwickelt haben (https://www.lbv.de/naturschutz/lebensraeume-schuetzen/baeche/).
Dr. Norbert Schäffer und Thomas Gollwitzer besuchten das Modellgebiet Waldthurn, um sich ein Bild von Methodik und Umsetzung des gemeinsamen Projekts zu machen. Bürgermeister Josef Beimler erläuterte, wie das Projektteam aus Gemeinde, LBV-Bearbeiter und ALE-Mitarbeitern bereits in der Konzeptphase Landwirte und Grundeigentümer an den Gewässern eingebunden hat. Denn nur durch rechtzeitige Beteiligung und gemeinsame Erarbeitung von Lösungsmöglichkeiten vor Ort kann die nötige Akzeptanz zur Umsetzung von Renaturierungsmaßnahmen geschaffen werden. Diese praxisorientierte und bürgernahe Vorgehensweise hat sich bereits bei Flurneuordnung und Dorferneuerung bewährt und führte auch schnell zur Umsetzung von Vorschlägen des LBV-Pilotprojekts. So konnte die Marktgemeinde Waldthurn mit Unterstützung des ALE und dem Einverständnis der Flächeneigentümer inzwischen die Durchgängigkeit am Vockhofbach über einen großen Abschnitt wieder herstellen. Hier wurden nicht mehr benötigte Überfahrten beseitigt und enge Rohrdurchlässe durch größere ersetzt, so dass sich wieder eine Gewässersohle entwickeln kann.

Mit diesen ersten, einfachen und kostengünstigen Maßnahmen wurde neben den Verbesserungen für Gewässer und Biotopverbund auch die Akzeptanz für weitere, wesentlich aufwändigere Renaturierungs-
maßnahmen geschaffen. Bürgermeister Beimler zeigte den Besuchern noch einen mehrere hundert Meter langen verrohrten Bachabschnitt im Oberlauf der Luhe. Er erläuterte, dass derzeit Gespräche mit dem Grundeigentümer und dem ALE laufen, um durch Flächenkauf und –tausch die Voraussetzungen für eine Öffnung und breitangelegte Bachrenaturierung zu schaffen. Diese Maßnahme ist auch im Zuge des LBV-Pilotprojekts entwickelt worden - ein Beleg dafür, dass die „Bächeprojekte“ und die Praxisbroschüre des LBV den Gemeinden wertvolle Impulse und Anregungen zur Gewässerentwicklung geben können.

Abschließend bekräftigten Dr. Norbert Schäffer und Thomas Gollwitzer, die bereits vertrauensvolle Zusammenarbeit zum Wohle für Gemeinden und Naturhaushalt weiter auszubauen und Informationen über mögliche gemeinsame Projekte auszutauschen.