Starke Partner - Landschaftspflegeverbände und Landwirte

Brennen im Naturschutzgebiet „Untere Alz“, Landkreis Altötting

Der Fluss Alz mit Kiesbänken im Naturschutzgebiet "Untere Alz".

Die Alz mit mit Kiesbänken im NSG "Untere Alz".
© S. Schulz/ALE Oberbayern

Die wirtschaftlich unrentable Pflege von Extremstandorten will gut organisiert sein. Landwirte und Landschaftspflegeverbände ziehen an einem Strang.

Extreme Lebensbedingungen
In den normalerweise eher feuchten Auengebieten des Voralpenlandes befinden sich kleinere Standorte, die überraschend warm und trocken sind. Der Untergrund aus Kies oder Sand, der ursprünglich vom Fluss angeschwemmt wurde und die dünne Humusschicht sind wasserdurchlässig. Hinzu kommt die Sonneneinstrahlung und die Windstille durch die umgebedenden Kiefernbestände. Im Sommer sind dadurch Temperaturen bis zu 50 Grad möglich. Entsprechend trocken und nährstoffarm ist es hier. Mit der Zeit haben sich auf diese Weise artenreiche Mager- und Trockenrasen gebildet. Das Mähen dieser Flächen lohnt schon lange nicht mehr. Das ist schade, denn auf die offenen, warmen Flächen sind viele Pflanzen- und Tierspezialisten angewiesen. Wärmespezialisten unter den Pflanzen und Tieren lieben diese Bedingungen. Orchideen, wie Frauenschuh- und Enzianarten, Reptilien wie die Zauneidechse und Schlingnatter, viele Schmetterlings- und Heuschreckenarten haben hier ihren optimalen Lebensraum gefunden. Besucht man eine solche Brenne, fallen einem gleich die außergewöhnlich bunte Blütenfülle, das laute Zirpen und die durch die Luft gaukelnden Schmetterlingen auf. So etwas ist in der heutigen Agrarlandschaft leider selten geworden.

Gehegt und gepflegt
Der Landschaftspflegeverband (LPV) Altötting organisiert die Pflege und Freistellung der Brennen, die nach Ausbleiben der Flussdynamik wieder zuwachsen würden und sorgt so für den Erhalt des Kleinods Brenne. „Die Brennen werden in unserem Auftrag von ansässigen Landwirten nach einem bestimmten Konzept gemäht. In der Regel erfolgt die Mahd ab Mitte September, teilweise erst im Oktober. Dabei bleiben Brachestreifen im Wechsel erhalten.“, erklärt Reinhard Klett vom LPV Altötting. „Die Flächen entwickeln sich bisher optimal.“ Gemäht wird in der Regel mit einem Balkenmäher. Das Mähgut wird erst nach ein paar Tagen eingesammelt, so dass es noch ausreichend Zeit zum Absamen hat und so die Samen auf der Fläche erhalten bleiben. Gleichzeitig dient ein Teil der Brennen als Spenderfläche für neu zu entwickelnde Standorte. Seit einigen Jahren verfügt der LPV Altötting über einen handgeführten Samenernter (E-beetle). Damit können neu geschaffene Brennen in der Alzau sehr effektiv mit gebietseigenem (autochthonem) Saatgut aufgewertet werden.

Freude an der Arbeit
Der LPV Altötting arbeitet seit vielen Jahr mit mehreren erfahrenen Landwirten bei der Pflege der Brennen erfolgreich zusammen. Einer von ihnen ist Alois Ramerth, der sich im Nebenerwerb auf die Pflege empfindlicher Flächen spezialisiert hat. Dafür wurden von ihm entsprechende Maschinen wie eine funkgesteuerte Raupe angeschafft oder ein wendiger Mähtruck mit extra breiten Reifen, mit dem empfindliche Böden möglichst schonend befahren werden können. Damit kann unwegsames Gelände wie z.B. Steilhänge oder Feuchtflächen gut gepflegt werden. „Zu sehen, was sich alles auf Flächen durch die richtige Pflege entwickelt und in der Freizeit beim Vorbeiradeln zu sehen, was sich tut und bewegt, bringt einen Riesenspaß,“ erzählt er begeistert.

Adressen

Landschaftspflegeverband
Altötting e.V.
Bahnhofstraße 26
84503 Altötting
Tel.:08671 92600 90
reinhard.klett@lpv-altoetting.de
www.lpv-altoetting.de
https://www.lpv-altoetting.de/projekte/brennen-a-d-alz.html


Alois Ramerth
Sengstraße 4
84547 Emmerting, Deutschland
+49 151 53290138

09.11.2021

Regierungsbezirk: Oberbayern