Großstadt-Bienen sind voll im Trend!

Drum summt's und brummt's auf vielen Flächen

Eine Honigbiene fliegt über eine blütenreiche Wiese auf der Suche nach Nahrung.

Honigbiene auf Futtersuche.
© S. Schulz/ALE Oberbayern

Stadt-Imkern ist in. Gerade im urbanen Bereich, wo es in den Vor- und auf den Dachgärten, auf Balkonen und an den typischen Stadtbäumen, zum Beispiel der Linde im Frühjahr und im Sommer ständig blüht, finden die fleißigen Bienen (Apis mellifera) sogar leichter Nahrung als auf den Wiesen in der Flur. Denn die intensiv bewirtschafteten Wiesen werden so oft gemäht, dass die Blumen häufig nur eine ganz kurze Blütezeit aufweisen und dann lange nichts mehr nachkommt.

Amtsbienen
Der Biologie-Lehrer Robert Segel macht sich das städtische Futterangebot zunutze und hat mehrere Bienenvölker an unterschiedlichen Standorten aufgestellt. Einer davon ist im Garten des Amtes für Ländliche Entwicklung (ALE) in München. Seit Mitte Juni dieses Jahres stehen zwei Völker mit jungen Königinnen dort.

Gemeinsam sind sie stark!
„Ich fand staatenbildende Insekten, wie Ameisen und Honigbienen schon immer faszinierend. Es ist wahnsinnig spannend, wie Tiere, die so einfach gebaut sind, so komplexe, zusammenarbeitende Strukturen bilden können. Vor ein paar Jahren hat mich dann ein Freund gefragt, ob ich mit ihm einen Imker-Anfängerkurs absolvieren möchte. Und da habe ich sofort „Ja“ gesagt!“ erzählt R. Segel auf die Frage, wie er zum Imkern kam.

Futter für die Bienen
Damit es die Bienen so richtig gemütlich haben, wurde im Amtsgarten eine kleine Bienenweide angesät. Mehrjährige einheimische Pflanzen, die im Verbund von April bis Oktober blühen, eignen sich im Garten besonders gut. Das sind beispielsweise Ziersalbei, Basilikum, Obststräucher, Bienenschleierkraut, Schnittlauch und Kapuzinerkresse oder die Frühblüher Schneeglöckchen und Krokus.

Kleine Prinzessinnen auf der Erbse
Bienen mögen es nicht zu heiß. Gleichbleibende 20 bis 25 Grad das ganze Jahr über im Stock sind ideal, da kann schon mal mit kühlendem Wasser nachgeholfen werden, damit das Volk nicht überhitzt. Das ist jedoch die einzige Unterstützung, die die Insekten benötigen. Die Kästen sollen nicht auf dem Boden stehen, damit rundum Kühlung stattfinden kann. Daher wurde ein kleines Podest für die beiden Bienenkästen an einer geschützten und schattigen Stelle im Amtsgarten aufgebaut. Die Reinigung und Instandhaltung der Waben und des Stockes übernehmen die Bienen mit Propolis, einer harzartigen Masse, die aus Baumharz und körpereigenen Substanzen der Bienen besteht. Propolis oder Kittharz wirkt gegen Bakterien, Pilze und Viren. Deshalb wird dieser auch für den Menschen medizinisch genutzt.

Im Jahresverlauf
Von März bis Mai beginnt die Brut. Das Volk wird wieder größer. Im Mai ist Schwärmzeit. Die alte Königin verlässt nun mit einem Teil des Volkes den Stock und sucht eine neue Bleibe. Die junge Königin bleibt mit den restlichen Bienen zurück und wird zur Eierlegmaschine, die bis zu 1500 Eier am Tag produziert. Ende Juni ist dann das Volk mit etwa 60.000 Tieren am größten. Im August und September, wenn die Blütezeit zu Ende geht, verringert sich die Anzahl der Individuen wieder, bis sie im Oktober bei 20 bis 25.000 Tieren liegt. Diese bilden gemeinsam eine wärmende und schützende Kugel um die Königin und verbringen den Winter in Winterstarre.

Bienenfleißig
Arbeiterinnen haben mehrere Aufgaben im Laufe ihres vier- bis fünfwöchigen Lebens: Larven füttern, Waben bauen, Bienenstock bewachen, Luft zufächeln und Futter sammeln. Die Bienen, die wir beim Pollensammeln im Garten sehen, sind die ältesten Bienen und verrichten gerade ihre letzte Aufgabe.

Gelassen im Umgang
Langsame Bewegungen und Gelassenheit sind wichtig im Umgang mit Bienen. Trotzdem empfiehlt es sich grundsätzlich, einen Imkeranzug mit Schleier anzuziehen und nicht in der Flugbahn der Bienen vor dem Flugloch zu stehen. Bienen mögen kein Gewitter und keinen Regen. Deshalb sollte der Imker hier nach Möglichkeit den Bienenkasten nicht öffnen. Sind sie nervös oder verärgert, ist es empfehlenswert, sich schnell vom Stock zu entfernen. Nach etwa zehn Metern empfinden die Bienen die Anwesenheit nicht mehr als Bedrohung für ihr Volk. Sie geben die Verfolgung auf.

Schnupper-Imkern
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ALE Oberbayern konnten sich bei einem kurzen Termin Anfang Juli bei und mit den Bienen einen kurzen Einblick in die Imkerei verschaffen. Gut geschützt mit Imkerjacke und -Hut wurden die Bienenwaben angeschaut, die aus den zuvor geöffneten Bienenkästen vorsichtig entnommen wurden. Sogar die mit einem grünen Punkt markierte Königin inmitten ihres Volkes war zu sehen.

09.07.2021

Regierungsbezirk: Oberbayern