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  • Kein Fußball im Urwald

    • 07.10.2019
    • Oberfranken
13 Hektar Urwald sind ihr nicht genug, die oberfränkische Gemeinde Oberhaid hat deshalb begonnen, ihr einzigartiges Naturwaldreservat „Seelaub“ um fünf Hektar zu erweitern. Zwei Feuchtwaldtypen, wie sie es in Bayern kaum mehr gibt, entwickeln sich hier bereits ohne weitere Eingriffe von außen. „Das ist ein ganz besonderer Schatz, den wir da vor der Haustüre haben“, sagt Bürgermeister Carsten Joneitis. Eine Erweiterung ist deshalb für ihn ein zusätzlicher Schritt für den Umwelt- und Naturschutz.

Seltene Artenvielfalt
Wer sich die Liste der Tier- und Pflanzenarten anschaut, die im Schwarzerlen-Eschen-Bachauenwald und Erlen-Sumpfwald ihren idealen Lebensraum gefunden haben, kann dem nur zustimmen. Hier wachsen Schwarzerlen, Sumpfdotterblumen und sogar der seltene Hühnerbiss. Dreißig verschiedene Schneckenarten, Kammmolche, Steinkrebse, Groß- und Kleinlibellen, viele Vogelarten und der Biber sind Dauerbewohner geworden.

Fichten raus
Schon 2011 hatte der Umbau der kleinteiligen und unrentablen Fichtenwaldparzellen in ein zusammenhängendes Naturwaldreservat begonnen. Gemeinsam mit dem Amt für Ländliche Entwicklung und der Bayerischen Staatsforstverwaltung konnte die Gemeinde ein zusammenhängendes Waldgebiet schaffen. Rentabel waren die Kleinflächen mit den über einhundert Privatbesitzern schon lange nicht mehr gewesen. „Auf einer Fläche war sogar ein Fußballplatz“, erinnert sich der Bürgermeister. Auch auf der Erweiterungsfläche stehen heute noch Fichten, doch die Trockenheit und der Borkenkäfer machen ihnen gerade den Garaus. Die Gemeinde hat nun mit der Rodung begonnen – eine Herausforderung, denn das Waldgebiet ist mittlerweile schwer zugänglich. Die Kosten dafür sind kaum über den Erlös für das Holz zu refinanzieren, die Preise sind derzeit im Keller.

Die Natur regelt sich selbst
Dennoch bleibt die Gemeinde Oberhaid dran, die Fläche des Naturwaldreservat zu erweitern. Über 1400 Schwarzerlen und Hainbuchen wurden im Winter 2019 schon gepflanzt, ein guter Grundstock für den neuen Naturreservat-Abschnitt also. Bürgermeister Jonneitis vertraut dabei auf die Kraft der Natur, sich selbst zu regulieren. Er hat festgestellt, dass die Klimaveränderung im Oberhaider Urwald bereits erkennbar ist. „Der Wald passt sich an“, sagt er. Es sei faszinierend, wie die Natur damit umgehe und sich die Artenzusammensetzung entsprechend verändert habe. Deshalb lässt man den Urwald auch einfach machen und greift nicht in die natürliche Entwicklung ein.

Gezielte Besucherinformation
Beobachten lässt sich die enorme Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren auf geführten Wanderungen, die eine Biologin und der Bürgermeister selbst anbieten. Auch im Ferienprogramm für Kinder steht das Naturwaldreservat regelmäßig auf dem Plan. Damit der Wald und seine kostbaren Schätze ungestört bleiben, können ihn Besucher auf einem Wanderweg umrunden und von einer Aussichtsplattform aus einen tieferen Blick in die Geheimnisse werfen, die dieser ganz besondere Wald mit all seinen Bewohnern birgt.

Kontakt:
Gemeinde Oberhaid
Bürgermeister Carsten Joneitis
Rathausplatz 1
96173 Oberhaid
Tel.: 09503-9223-0
Mail: poststelle@oberhaid.de
http://www.oberhaid.de/freizeit-kultur-tourismus/naturwaldreservat-seelaub/