Naturschutz und Landschaftspflege Im Einklang mit der Landwirtschaft

Hans Zacherl, Herbert Binsteiner und Hans Raab, Foto: Elisabeth Marklstorfer ALE Oberbayern

Hans Zacherl, Herbert Binsteiner und Hans Raab, Foto: Elisabeth Marklstorfer ALE Oberbayern
© Verwaltung für ländliche Entwicklung

Es ist bemerkenswert, was der Teilnehmergemeinschaft Albaching (Landkreis Rosenheim) im Zuge ihres Flurneuordnungs- und Dorferneuerungsverfahrens gelungen ist: ein wahres Paradestück in Sachen nachhaltige Landentwicklung und Naturschutz. Dabei konnten in enger Zusammenarbeit mit den Beteiligten umfassende landschaftspflegerische Maßnahmen verwirklicht werden. Zu Beginn des Verfahrens standen ein neues Wegenetz und die Zusammenlegung der Flurstücke mit den hierzu unbedingt erforderlichen Ersatz- und Ausgleichsmaßnahmen im Vordergrund. Im Jahr 2010 hat der Vorstand der Teilnehmergemeinschaft beschlossen, auch Maßnahmen zum dezentralen Hochwasserschutz in die Planung aufzunehmen.

Der Grundstein für die Landschaftsplanung wurde bereits im Jahr 1999 gelegt. „Erzeugung gestalten – Arten erhalten“ war schon damals der Leitgedanke, der sich in Feld und Flur in vielen Facetten widerspiegelte. Das Zielkonzept sah vor, das vielfältige und typische Landschaftsbild der Gemeinde Albaching in seiner herkömmlichen Erscheinungsform zu bewahren und behutsam weiter zu entwickeln.

Alles wirkt so leicht und unbeschwert, nichts stört die Flora und Fauna bei der Stipp-Visite in Albaching, vorbei an den durchdachten und sinnvollen Rückhaltebecken, Streuobstwiesen und naturnah angelegten Bachabschnitten. Und immer wieder kann man an alten Bäumen eine Pause einlegen und die Eindrücke wirken lassen.

Besonders der umgestaltete Stettner Mühlbach prägt sich Besuchern des Geländes ein: Hier wurden die früher stark verbauten, begradigten Ufern mit unterschiedlichen Steigungen sanft modelliert und teilweise aufgeweitet. Durch den Einbau von Inseln, Totholz und Steinen in den Bach ist es gelungen, den Strukturreichtum im Gewässer zu erhöhen. Unterschiedliche Sohltiefen und Grabenbreiten sorgen für wechselnde Fließgeschwindigkeiten und lassen neue Lebensräume für zahlreiche Amphibien- und Fischarten entstehen. Zusätzlich wurden die Uferbereiche des Baches vereinzelt mit Gehölzen bepflanzt, darunter Erlen und Sträucher, die mit Staunässe gut zu Recht kommen. Zu den umliegenden intensiv genutzten, landwirtschaftlichen Flächen besteht ein Pufferstreifen von fünf Metern Breite. Durch ihn soll der Eintrag von Nährstoffen und Bodenbestandteilen aus landwirtschaftlich genutzten Flächen verringert werden.

Die 2018 fertiggestellte Maßnahme zeigt bereits ein Jahr später Erfolg: es konnte nicht nur eine deutlich ablesbare Verbindung zu angrenzenden Biotopen hergestellt werden, vielmehr lässt sich an den blühenden Böschungen bereits jetzt der Wert für die Biodiversität erkennen. Im Verfahren gelang es außerdem, zahlreiche Flächen für den Wasserrückhalt in der Landschaft auszuweisen. Die neu angelegten Mulden und Erdbecken schaffen auch für die Landwirte Erleichterung, deren Äcker seither nicht mehr überschwemmt werden. Die Rückhaltebecken weisen ebenso wie die Streuobst- und Extensivwiesen bereits ein Jahr nach Fertigstellung eine erstaunliche Artenvielfalt auf.

Das Gelingen des Projektes ist vor allem den engagierten Akteuren in der Teilnehmergemeinschaft Albaching um Herbert Binsteiner zu verdanken.
Binsteiner, seines Zeichens ehemaliger Landwirt mit großem Engagement für Natur- und Umweltschutz, koordinierte die Baustellen, stand in ständigem Austausch mit den Eigentümern und übernahm die Pflanzarbeiten. Trotz aller aufwendigen Vorbereitungen, ist es für ihn mittlerweile fast schon Routine, eines der Vorzeigeprojekte in Sachen Naturschutz zu betreuen.

Schließlich hat er damit langjährige Erfahrung und mit Hans Zacherl und Hans Raab ein professionelles, gut eingespieltes Team an seiner Seite, auf das er sich in jeder Situation verlassen kann. Ein Dreier-Gespann, welches schnell festgestellt hat, dass sie in punkto Naturschutz auf einer ähnlichen Wellenlinie liegen, was die Maßnahmen – trotz einiger Diskussionen – leichter macht. Unterstützt wurden sie dabei von Projektleiter Georg Liedl am Amt für Ländliche Entwicklung Oberbayern.

Auch wenn es nicht immer leicht war, kann Binsteiner auf eine Erfolgsgeschichte zurückblicken. Gerade am Anfang galt es, mit Konflikten und teils offener Kritik umzugehen, zu vermitteln und zu schlichten. Jede Menge Fingerspitzengefühl und Mediator-Fähigkeiten waren nötig, um alle vom Mehrwert der Maßnahmen überzeugen zu können. Letztendlich konnte jedoch ein herausragendes Projekt entwickelt werden, dass allen Zielen gerecht wird und vor Ort viel Zuspruch findet.

Die drei engagierten Männer aus der Teilnehmergemeinschaft Albaching haben alles getan, um den passenden und natürlichen Charakter der Landschaft zu erhalten und diesen in seinem Erlebniswert noch weiter zu steigern. Dass ihnen Naturschutz immer noch Spaß macht, sieht man ihnen an – einige Jahre und viele, viele Gespräche später ziehen die drei ein positives Fazit:

Nach einem Gespräch im Garten von Herbert Binsteiner gratulieren ihnen auch die ALE-Mitarbeiter zu ihren Artikeln in der Lokalpresse. Als die ALE-Mitarbeiter verkünden, dass so etwas nicht selbstverständlich ist, sagt einer der Beteiligten: „Für uns ist es das aber geworden“.

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19.08.2019

Regierungsbezirk: Oberbayern