Sagenhafter Aussichthügel

Der Hochbichl zwischen Bichl und Benediktbeuern

Die Schautafel am Hochbichl nennt die Bergnamen des Alpenpanoramas, das man von dort aus sehen kann.

Traumblick in die Alpen vom Hochbichl aus.
© S.Schulz/ALE Oberbayern

Ein Goldschatz solle auf dem Hochbichl vergraben sein, so erzählt es die Sage aus den Aufzeichnungen des Klosters Benediktbeuern:

„Auf dem frei im Felde beim Kirchberg gelegenen hohen Bichel stand einst eine Burg. Hier liege ein Schatz vergraben. Ein Schmiedhannselbauer habe einmal am Fuß dieses Bichels am hellen Tage eingeschlafen und als er erwachte, sah er einen Mann in reinem samtenem Wamse vor sich stehen, in Mitten von zwei Goldsäcken. Der Bauer holte eilig Leute herbei, sie fanden aber an der erwähnten Stelle nichts mehr vor als nur Haderlumpen. Das Gold solle aus einer nahegelegenen Goldader stammen.“

Steinschatz anstatt Goldschatz
Tatsächlich wurde dort ein anderer Schatz in Form des Grünsandsteins gefunden. Dieser entstand als Sediment während der Kreidezeit vor etwa 145 bis etwa 66 Millionen Jahren. Der Hochbichl gehört von der Geologie her zu den „Helvetischen Schichten“, die bei der Gebirgsbildung gefaltet und verschoben wurden. Sie verlaufen daher teils unter- und teils oberirdisch wie am Hochbichl. Dort tritt der auffällig grüne oder gelbgrüne, Glaukonit-reiche und feinkörnige Sandstein dieser Schicht zutage. Fossile Muschel– und Schalenreste, Calcit-Kristalle (Kalkspat) und Harnisch-Streifen lassen sich ebenfalls in ihm finden. Letztere sind Bewegungsspuren, die durch aneinander gleitende Gesteinspakete während der Verschiebung entstanden sind.

Erdentstehung zum Anfassen
Heute zählt der Hochbichl zu den Geotopen in Oberbayern, die vom Landesamt für Umwelt kartiert und eingestuft werden. Geotope sind erdgeschichtliche Gebilde der unbelebten Natur, die Erkenntnisse über die Entwicklung der Erde und des Lebens vermitteln. Aufgrund ihrer Besonderheit oder Einmaligkeit können sie sogar geschützt sein.

Die Welt wird bunter
Das im Jahr 725 durch Karl Martell gegründete Kloster Benediktbeuern nutzte schon früh die grüne Farbe, das „Beira Grien“ oder „Beurer Grün“ als Gebäudeanstrich. Dazu wurde der Stein mit der Farbmühle zerkleinert und die gewonnenen Farbpigmente mit gelöschtem Kalk zu einer Wandfarbe vermischt. Die Südfassade des Maierhofes im Kloster wurde beispielsweise damit gestaltet. Heute wird das „Beurer Grün“ nur noch in der Denkmalpflege verwendet.

Abenteuerspielplatz
Für Kilian Streidl, den Verfasser der Dorfchronik Bichl, ist der Hochbichl ein Ort schöner Kindheitserinnerungen: „Für mich und meine Spezln war damals der Hochbichl immer ein Abenteuerspielplatz und wir machten dort erste Erfahrungen im Felsklettern, was zugegebenermaßen nicht ganz ungefährlich war. Aber zum Glück ist nie was Ernsthaftes passiert. Damals war die „Südwand“ noch deutlich markanter und griffiger. Auch heute noch gehe ich hin und wieder nach oben, um die grandiose Aussicht zu genießen. Wir dürfen uns glücklich schätzen, hier am Fuße der Benediktenwand wohnen zu dürfen.“

Unterwegs als Entdecker, Abenteurer oder einfach als Genießer
Wer sich nun selbst auf die Suche nach Schätzen, Erdgeschichte und Aussichten machen möchte, kann den 20 Meter hohen Hochbichl nördlich der Ortschaft Bichl besteigen. Im Rahmen der dort durchgeführten Dorferneuerung wurde er wieder freigelegt und lässt sich rund herum und hoch hinaus auf einem kleinen Weg ganz leicht erkunden und bietet mit wenig Aufwand eine fabelhafte Aussicht auf die Alpen und auf das Kloster Benediktbeuern.

Er eignet sich ideal für einen Familienausflug, für romantische Sonnenuntergänge und zum Lernen der Bergnamen der näheren Umgebung.

24.06.2021

Regierungsbezirk: Oberbayern