Vorreiter im Arten- und Klimaschutz - Abschluss des Verfahrens Brucker Moos

Modellprojekt für das gelungene Zusammenspiel aller Beteiligten

Hochmoor im Kernbereich Brucker Moos (Foto: J. Rüegg)

Das ca. 400 Hektar große Feuchtgebiet Brucker Moos zählt zu den wertvollsten, aber auch gefährdetsten Moorlebensräumen im Landkreis Ebersberg. Seit dem 19. Jahrhundert war das Kerngebiet des Moorkörpers, das Brucker Hochmoor, auf nur mehr 6 Hektar geschrumpft. Durch Nutzungsintensivierung und Entwässerung entstand eine Kulturlandschaft, aus der charakteristische Tier- und Pflanzenarten des Moores zunehmend verschwanden. Über Renaturierungsmaßnahmen sollen nun im Verfahren Brucker Moos die ökologischen Funktionen eines Moores - wie Wasserspeicherung, Kohlenstoffbindung, Ressourcen- und Artenschutz - wiederhergestellt werden.

Flächenmanagement für den Klimaschutz - diesen Titel könnte das Projekt „Ökologische Flurneuordnung Brucker Moos“ auch tragen. Ist es doch den Beteiligten des Verfahrens in den letzten 24 Jahren gelungen, rund 190 Hektar des Mooses für den Moorschutz zu aktivieren. So bindet zum Beispiel laut Max Finster von der Unteren Naturschutzbehörde Landkreis Ebersberg ein Hochmoor in seinem natürlichen Zustand rund 1,5 Tonnen CO2 pro Hektar und Jahr.

In diesem Herbst wurde das Verfahren offiziell abgeschlossen. Beim Festakt in Alxing blickt Ursula Mesch, verantwortliche Projektleiterin am Amt für Ländliche Entwicklung Oberbayern, auf den Verlauf des Vorhabens zurück: Der Startschuss für die Flurneuordnung fiel im August 1995 mit einem kleinen Projektgebiet und der Gründung der Teilnehmergemeinschaft Brucker Moos.
Nach und nach wurden - überwiegend zwischen Alxing, alter Moosach und Moosachhangkanal - wertvolle Flächen im Innenbereich des Moores in den Besitz des Landkreises und anderer öffentlicher Träger überführt. Hier sollen durch abgestimmte Pflege und eine extensive landwirtschaftliche Nutzung wieder naturnahe Feuchtgebiete entstehen.
Die fachliche Grundlage für die Renaturierung des Mooses wurde bereits in den 1980er Jahren geschaffen. Damals entstand das Konzept zur Umsetzung des Arten- und Biotopschutzprogramms (ABSP) des Freistaats Bayern, über das besonders schützenswerte Gebiete kartiert und erhalten werden sollen. Cornelia Siuda, Moorspezialistin und Planerin, leitete daraus das ökologische Entwicklungskonzept für das Projekt Brucker Moos ab.
Für die Bereitstellung von Flächen mussten laut Mesch zunächst „Landnutzungskonflikte aufgelöst“, die Eigentümerstruktur der kleinteilig parzellierten Gebietskulisse entflochten werden. Gelingen konnte das vor allem durch das strategische Bodenmanagement, das von der Teilnehmergemeinschaft Brucker Moos abgewickelt wurde. Das Amt für Ländliche Entwicklung Oberbayern begleitete den Prozess, stellte sicher, dass die Flächen – sei es über Pacht, Kauf oder Landtausch - an der naturschutzfachlich geeigneten Stelle bereitgestellt werden können.

Besonders im Artenschutz ist das Projekt wegweisend: Moore sind ein gigantischer Lebensraum, wie Max Finster von der Unteren Naturschutzbehörde Ebersberg bei der Abschlussfeier aufklärt. Spezialistenarten, die Feuchtflächen brauchen, finden hier ideale Bedingungen. Darunter seltene Schmetterlingsarten wie das Sechsfleckwidderchen, unzählige Libellenarten und Pflanzen wie langblättriger Sonnentau, Teufelsabbiss und Sumpf-Stendlwurz. Gleichzeitig ist das ausgedehnte Offenland Rückzugsort für Kiebitze und andere boden- und gewässerbrütende Vogelarten wie die streng geschützte Goldammer und den Schilfrohrsänger.
Um ein derart großes Gebiet an zusammenhängenden Flächen zu erhalten, mussten unterschiedliche Behörden und Beteiligte an einen Tisch gebracht werden. Finster zeigt auf, was gelungen ist: Im Kernbereich des Moores konnten zwei Drittel der Flächen erworben werden. Anfangs habe es jedoch noch viele Vorbehalte und Ängste auf beiden Seiten - Landwirtschaft und Naturschutz - gegeben. Landwirte hatten Angst, ihre Flächen nicht mehr bewirtschaften zu können. Das aufeinander Zugehen von Grundstückseigentümern und Naturschutz sei ein Schlüssel zum Erfolg gewesen, erinnert sich Josef Schwäbl, Bürgermeister von Bruck bei der Eröffnung des Festakts in Alxing. Nur so sei es möglich gewesen, eine „zukunftssichere und naturverträgliche Grundlage für die Landwirte zu schaffen“ betonte in Alxing auch Landrat Robert Niedergesäß und verwies auf die wichtigsten Projektziele „Freiwilligkeit, Kooperation und Miteinander“.
Auch Projektleiterin Ursula Mesch ist stolz, dass das Projekt von Anfang an auf freiwilliger Basis gelaufen sei: „Die, die wollen, machen mit“, so die Prämisse schon damals. Für den aufwendigen Prozess wurde viel Zeit geopfert: Viele Termine, Abfragen, Gespräche waren erforderlich, und nicht alle führten zum Erfolg, so Mesch.
Guido Romor, Sachgebietsleiter Umweltplanung am Amt für Ländliche Entwicklung Oberbayern ist glücklich mit dem Projektergebnis, er hebt in seinem Beitrag zur Abschlussfeier die Besonderheiten des Verfahrens hervor: Die „interdisziplinäre Zusammenarbeit sei der Kern des Erfolgs“ gewesen, den verschiedenen Akteuren sei es gelungen, eine einheitliche Zielvorstellung zu erarbeiten, die heute auf der ganzen Fläche ablesbar sei. Romor lobt in seinem Resümee das Projekt als „ein von Weitsicht und Gemeinwohlsinn getragenes Werk, als Baustein regionaler Wertschöpfung und Zusammenarbeit.“
Welche Maßnahmen auf welcher Fläche und von wem umgesetzt werden – dafür zeichnet der Landschaftspflegeverband Ebersberg um Geschäftsführer Josef Rüegg verantwortlich. Der Verband schnürt Maßnahmenpakete und organisiert Pflegearbeiten. Landrat Niedergesäß ergänzt, dass es der hiesige Landschaftspflegeverband sei, der die „Beteiligten zusammenbindet“ und eine gute Basis schafft, „um alle in Einklang zu bringen.“

Mit dem Flurneuordnungsverfahren konnte ein erheblicher Beitrag zur Renaturierung der Brucker Mooses geleistet werden. Das Ziel, ein „Modellprojekt für die gelungene Zusammenarbeit aller Beteiligten zur Umsetzung des ABSPs zu schaffen“, wurde laut Ursula Mesch erfüllt. Die Projektleiterin bedankte sich am Schluss bei allen Beteiligten, ohne deren Bereitschaft mitzumachen, sei die Umsetzung des Projekts nicht möglich gewesen.
Josef Rüegg und Ursula Mesch blicken aber auch nach vorne: Die Arbeit sei trotz Ende der Projektlaufzeit noch nicht abgeschlossen. Um das gesamte Kerngebiet in einen naturnahen Zustand zu bringen, müssten noch mehr Flächen in das bereits geschaffene Gefüge aus extensivierten Grundstücken aufgenommen werden. Denn für ein funktionsfähiges Moor ist eine möglichst große, zusammenhängende Fläche erforderlich.