Wir lernen Zuhören

Mit den Vögeln unseren Lebensort neu verstehen

Auf dem Weg zu unseren "Sit-Spots" im Wald

Auf dem Weg zu unseren "Sit-Spots" im Wald
© Angelika Mangold

Was die diesjährige ESOP- Bodensee Gruppe mit Niclas Lieb im Pfänderwald gelernt hat ist essentiell:
Wenn man andere verstehen will, muss man erstmal wirklich zuhören können.
Das gilt für Menschen, Tiere und Pflanzen. Nur weil ich mein Gegenüber nicht auf Anhieb verstehe, heißt das nicht, dass es mir nichts zu sagen hat. Ganz im Gegenteil.

Mein Garten ist ein anderer Ort geworden, seitdem ich ihn nicht mehr nur durch meine, sondern auch durch Vogelaugen sehen kann.

Eine Teilnehmerin erzählt ein paar Tage nach unserem Ausflug:
Ich war heute kurz draußen, mein täglicher Gang zum Komposthaufen. Die Sonne kam raus und da hab ich ganz nebenbei mitbekommen, dass die Vögel auch da sind und ihren Geschäften nachgehen. Und plötzlich hat es klick gemacht und ich dachte mir „na warte mal, das ist aber doch keine normale Geschäftigkeit, die ich da höre, das ist doch ein Alarmruf“. Das war ein Freudenmoment! Da habe ich in den paar Stunden im Wald mit den Anderen doch tatsächlich meine communication skills weiterentwickelt. Und gleich hab ich mir dann Gedanken gemacht, was den Vogel wohl so stören könnte. Ich habe es nicht rausgefunden, dafür muss ich mich im stillen Fuchsgang noch üben. Trotzdem fühlte es sich super an, weil ich sie jetzt wirklich schon ein ganzes Stück besser verstehe, meine Gartenmitbewohner. Morgen, wenn ich wach bin, gehe ich als erstes raus und setze mich eine Weile zum Komposthaufen unter die Esche. Ich nehme mir eine Wärmflasche mit und eine Tasse Tee. Ich will rausfinden, ob die Vögel im November zur gleichen Zeit aufstehen wie ich.

Die Welt ist bunt und wir sind ein kleiner Teil davon.
Es ist aufregend, beglückend und es macht demütig, wenn wir bemerken, dass wir nicht alleine da sind - an dem Platz an dem wir leben. Da gibt es hunderte andere Wesen, alle mit ihren täglichen Routinen, zu erledigenden Notwendigkeiten und Problemen - sie sind ganz anders und doch genauso wie wir. Dieses Wissen hilft uns im Alltag "am Boden zu bleiben". Vielleicht gelingt es uns damit auch, Entscheidungen zu treffen und Handlungen zu setzen, die nicht nur unseren eigenen Bedürfnissen, sondern auch denen von anderen Menschen und dem Lebendigen um uns herum dienlich sind.

www.exploringsenseofplace.eu

18.11.2021

Regierungsbezirk: Schwaben