A.ckerwert: Nachhaltig Verpachten für Natur und Mensch

Ein Pilotprojekt in den Landkreisen Landshut, Dingolfing-Landau und Rottal-Inn

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A.ckerwert will bewusstmachen, dass Landverpächter eine Mitverantwortung für die Bewirtschaftungsweise ihrer Flächen haben. Sie können dem Landwirt durch einen fairen Pachtpreis finanziellen Spielraum verschaffen, um neue Wege der Bewirtschaftung zu gehen, die sowohl Landwirtschaftsflächen als auch Natur schont.

Februar 2020

Regierungsbezirk: Niederbayern

Zielsetzung

Das Projekt A.ckerwert nimmt Grundbesitzer*innen von landwirtschaftlichen Flächen in den Blick und ermutigt, befähigt und unterstützt diese, im Dialog mit den Landwirt*innen eine umweltschonendere Bewirtschaftungsweise zu realisieren.

Viele Verpächter sind bereit, Verantwortung zu übernehmen und auf einen Teil der Pacht zu verzichten, wenn ihr Grund und Boden nach höheren Umweltstandards bewirtschaftet werden. Diesen finanziellen Spielraum können Landwirte nutzen, um ihrerseits extensiver zu arbeiten und den Fokus beispielsweise auf den Arten- oder Bodenschutz zu richten.

Besonders in der Erbengeneration bestehen Wissens-, Beziehungs- und Verantwortungslücken, zwischen Pächter*innen und Verpächter*innen. Das Projekt schließt diese Lücken und leistet „Übersetzungsarbeit“, um die beiden Welten zusammenzubringen.
Die Anonymität von Pachtverhältnissen, die oftmals in der Erbengeneration besteht, wird aufgebrochen, ein Gefühl der gemeinsamen Verantwortung für Grund und Boden entsteht.
Konkret sorgt A.ckerwert dafür, dass der Prozess in Gang gesetzt wird und partnerschaftlich moderiert wird. Hilfestellungen beispielsweise beim Finden von geeigneten Vertragspartnern, bei der Kontaktaufnahme zu Beratungsstrukturen (Vertragsnaturschutz, Wildlebensraumberatung, usw.) oder bei der Abschätzung eines angemessenen Pachtzinses oder der Gestaltung des Pachtvertrags können gegeben werden.
Zudem wird eine Austauschplattform geschaffen, auf der sich Pächter und Verpächter finden. Ziel ist ausdrücklich ein partnerschaftlicher Dialog zwischen den Belangen der Landwirtschaft und denen des Arten- und Naturschutzes.

Eine weitere Zielsetzung des Projekts ist die Sensibilisierung der Bevölkerung, um landwirtschaftliche Flächen in all ihren Funktionen (Lebensraum für Insekten und andere Tiere, Produktion, Landschaftselement, Ästhetik, soz. Aspekt) zu verstehen und zu genießen.


Hintergrund und Potenzial

Rund 60% der landwirtschaftlichen Flächen in Deutschland müssen durch die Landwirtschaft zugepachtet werden. In Bayern pachten 3 von 4 landwirtschaftliche Betriebe Flächen zu. Ein gigantisches Potenzial, um Veränderungsprozesse in der Landnutzung zu initiieren.


Wie ist die Idee entstanden?

Anstoß waren die eigenen Erfahrungen der Projektleiterin Lioba Degenfelder mit geerbten Ackerflächen ihres Partners in der Gemeinde Teisbach bei Dingolfing. Der Prozess, der in einem sehr partnerschaftlichen Dialog mit einem jungen, konventionell wirtschaftenden Landwirt stattfand, führte zu einer guten Lösung für diese 5 ha Ackerfläche. (Bewirtschaftung nach den Richtlinien des Vertragsnaturschutzprogramms, Blühflächen, Brache). Der Prozess machte aber auch deutlich, wie schwer es als landwirtschaftlicher Laie ist, Veränderungsprozesse herbeizuführen und einen zielführenden Dialog mit den Landwirten zu führen.


Was ist bis jetzt erreicht worden?

Transparenz, Offenheit, Partnerschaftlichkeit und die Lust an neuen Impulsen und Möglichkeiten sind Schlagworte, die man nicht unbedingt mit dem Thema Pachtverhandlungen in Verbindung bringt.
Unsere Erfahrung hat jedoch gezeigt, dass dies durchaus möglich ist. So kann z.B. ein Verzicht auf einen Teil der Pachteinnahmen dem Landwirt Spielraum geben, um extensiver zu wirtschaften.
Schon in den ersten Monaten trafen zahlreiche Anfragen sowohl von Flächeneigentümer*innen als auch Landwirten*innen ein. Auf über 40 Hektar wurden Maßnahmen bereits im ersten Projektjahr umgesetzt. Die realisierten Maßnahmen reichen vom völligen Verzicht auf Pestizid- und Düngemitteleinsatz z.B. nach den Richtlinien des Vertragsnaturschutzprogramms bis zur Anlage von Blühflächen als auch zur Bewirtschaftung nach Richtlinien des Ökolandbaus, was vor allem in Hochertragsgebieten wie dem Gäuboden ein bemerkenswerter Erfolg ist, da die Ausgleichsprogramme hier schlechter greifen.
Auch artenreiche Wiesen wurden mit Hilfe des Projekts in das Vertragsnaturschutzprogramm aufgenommen und somit der weiteren positiven Entwicklung hinsichtlich des Artenreichtums übergeben.



Projektgebiet
Regierungsbezirk: Niederbayern Landkreis: Landshut, Dingolfing-Landau und Rottal-Inn

Kontakt
Lioba Degenfelder
info@ackerwert.de
0176 – 2 33 667 14
www.ackerwert.de