Ulrike Gschwendtner

Die der Natur eine Stimme gibt

Ulrike Gschwendtner steht inmitten eines Haselnussstrauchs

Die Kräuterführerin Ulrike Gschwendtner
© Carla Hauptmann

Es duftet. Würzig, nach Heu, nach Gras, nach Kräutern. In der ganzen Wohnung. Schon beim Hereinkommen ist unschwer zu erraten, womit sich Ulrike Gschwendtner aus Weiden in der Oberpfalz am liebsten beschäftigt. Überall liegen Kräuterbüschel, Moos, Holz und lauter kleine Fundstücke aus Wald und Wiese. Sie schmücken, riechen und sorgen für eine besondere Atmosphäre. Doch das ist nur der Anfang. Im unteren Stockwerk hat die Kräuterführerin eine professionelle Manufaktur eingerichtet, wo sie Kräuter zu allerlei Produkten verarbeitet. Sieht nach viel Arbeit aus. Da ist es gut, dass Ulrike Gschwendtner ihre Fähigkeiten und Leidenschaften aus zwei Berufen miteinander verbinden kann.

Kräuterführungen gibt es ja mittlerweile viele. Auch Ulrike Gschwendtner führt Gäste durch die Landschaft rund um Weiden, und doch ist es ein ganz anderer Zugang zur Natur, den sie anbietet. „Das alte Wissen ist mein Gebiet, ich schaue gerne zurück. Vor allem die Geschichten, die Märchen, die Mythen – das bin ich“, sagt sie. In ihren Führungen merkt sie, „dass die Leute richtig wegschweben“, wenn sie ihre Bücher auspackt und Geschichten und Sagen daraus vorliest. „Seelenfutter“, nennt sie es, und mit diesem kombiniert sie das Wissen über Pflanzen und die Natur.

Landschaft spüren
Was sie damit vermitteln möchte? „Es gibt eine faszinierende Verbindung von Pflanzen und Naturraum, nicht jede Pflanze wächst überall“, sagt die zertifizierte Kräuterführerin. Und sie ist überzeugt: „Man kann den Geist eines Ortes spüren“. Diese andere Art, den Zugang zur Landschaft und ihren Details zu vermitteln, soll die Menschen dazu anregen, „Augen für die Natur zu haben.“ Für ihre Umgebung, die sie vielleicht kennen, aber eben noch nicht diese Orte mit ihren besonderen Qualitäten. Zu Ulrike Gschwendtners Führungen kommen hauptsächlich Menschen aus der Region, die neugierig darauf sind, sich auf eine andere Art der Landschaftswahrnehmung einzulassen.

Den Weg zur Wahrnehmung der Natur ebnen
Theoretisches Wissen vermittelt die Kräuterführerin bei ihren Führungen auch, „aber es muss gut verpackt sein“, findet sie. Die Fakten bringt sie bei jeder Pflanze anders ein, ein Schema hat sie dafür nicht. „Ich will ja keinen Schulunterricht machen“, sagt sie, „aber wenn man vor einer Königskerze steht, zeigt die einem schon so eine Achtung“, findet sie. Das Herz will sie damit erreichen, und das gelingt ihr offenbar ziemlich gut. Und den Leuten auf die Sprünge helfen, ihnen den Weg ebnen, sie innerlich spüren lassen, wie gut es tut, sich draußen mit der Natur zu beschäftigen, Knospen, Blätter und Blüten wahrzunehmen. Oder wie sie es nennt: „Der Natur eine Stimme geben.“

Die Kräutermanufaktur wächst
Als Ulrike Gschwendtner 2012 die Ausbildung zur zertifizierten Kräuterführerin in Waldsassen absolviert hatte, war ihr schnell klar, dass die Kräuter sie nicht mehr loslassen werden. Mittlerweile hat sie damit sogar eine zweite berufliche Grundlage aufgebaut. Eigentlich ist sie Buchhalterin, und auch das macht sie gerne und liebt die Herausforderung bei schwierigen Aufgaben. Die Detailtreue und das Organisationsgeschick, das sie dafür mitbringt, paart sie jetzt mit der Lust am kreativen, freien Arbeiten. Und so hat sie begonnen, sich Rezepte für Kräuterprodukte auszudenken. Aufstriche, Salze, Räucherwerk und einiges mehr. All das stellt sie mittlerweile in ihrer kleinen Manufaktur her. Biozertifiziert, natürlich. Vertriebswege hat sie dafür auch aufgebaut. So kann aus der Kräuterfaszination Stück für Stück auch eine wirtschaftlich rentable Sache werden.

Wissen aus zwei Welten
Ihr Wissen und ihre Erfahrung aus ihren beiden beruflichen Standbeinen gibt sie jetzt an die künftigen Kräuterleute weiter. In der Waldsassener Kräuterausbildung ist sie als Dozentin dabei. Steuern und Selbständigkeit ist das eine Thema, Pflanzenbrauchtum, Räuchern und Holunder das andere. „Ich gebe mein Wissen gerne preis, denn was ich aussende, kommt wieder zurück“, davon ist sie überzeugt. Eine Riesenchance sieht sie auch in der Vernetzung in der Region. Bei „Kräuter & Leut‘“, dem Freilandmuseum, dem Geschichtspark in Bärnau und einigen anderen ist sie mit ihren Angeboten dabei. Dabei hat sich schon so manche Zusammenarbeit mit anderen Kräuterleuten ergeben, die sie als bereichernd empfindet.

Eins mit dem Ort
Spätestens dann, wenn man mit Ulrike Gschwendtner draußen auf der Obstwiese steht, spürt man, worum es ihr geht. Ihr Blick fällt sofort auf die kleinen, unscheinbaren Dinge. Der Spitzwegerich in der Wiese, das Licht, das durch die Baumkronen fällt. Und wie sie da begeistert zwischen den hochaufragenden Haselnusssträuchern steht und fast damit zu verschmelzen scheint, möchte man von ihr sofort ein paar Geschichten und Märchen zu diesem Ort hören.

Kontakt:
Ulrike Gschwendtner
Wilde Kräuter & Co.
92637 Weiden i.d. OPf
Mail: info@wildekraeuterundco.de
https://wildekraeuterundco.de



Text: Bärbel Faschingbauer

Regierungsbezirk: Oberpfalz