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Boden- und Gewässerschutz mit der Initiative boden:ständig

Mathias Auer - Landwirt und Berater für eine zukunftsorientierte Landwirtschaft am Abtsdorfer See

Ein Bild von einem Landwirt vor einer Scheune.
Landwirt Mathias Auer berät im Rahmen der Initiative boden:ständig der Verwaltung für Ländliche Entwicklung Landwirte über bodenschonende Bewirtschaftungsmethoden.
© Mia Goller

Herr Auer, warum sind in Ihrer Region erosionsmindernde Anbaumethoden wichtig?

Unsere Region zwischen Laufen und Saaldorf-Surheim ist landwirtschaftlich geprägt. Bei hohen Niederschlägen – wie sie häufig hier auftreten – schwemmt das Regenwasser Einträge wie Düngemittel und Humus der Wiesen und Äcker in den Abtsdorfer See. Dies führt zu mehr Algenwachstum und zerstört den natürlichen Kreislauf im See. Hinzu kamen Verunreinigungen der Kommunen durch übergelaufene Mischwasserkanäle bei Starkregen. Ein Problem, das durch den Bau getrennter Systeme gerade unter Kontrolle gebracht wird.  Deshalb muss auch die Landwirtschaft ihren Beitrag zum Boden- und Gewässerschutz durch erosionsmindernde bzw. konservierende Anbaumethoden leisten. Abgesehen von freiwilligen Initiativen gibt die neue Erosionsschutzverordnung (ESchV) vor, welche landwirtschaftlichen Flächen in die höchste Erosionsgefährdungsstufe eingruppiert sind und wer auf konservierende Bodenbearbeitung umsteigen muss.  


Was bedeutet erosionsmindernder Anbau?

Kurz zusammengefasst bedeutet die erosionsmindernde bzw. konservierende Bodenbearbeitung auf eine wendende Bearbeitung des Ackers mit dem Pflug zu verzichten. Stattdessen kommen Grubber, Scheibenegge und weitere nicht wendende Geräte zum Einsatz. Charakteristisch für diese Methode ist auch, dass Ernterückstände aus Zwischenfrucht und Stroh als Erosionsschutz auf der Bodenoberfläche verbleiben. Der Boden sollte so tief wie unbedingt nötig und so flach wie möglich bearbeitet werden.

Welche Rolle spielte dabei der pfluglose Maisanbau?

Die pfluglose Bearbeitung ist besonders in erosionsgefährdeten Gebieten mit Hanglagen notwendig. Neben einem hohen Erosionsschutz bringt das auch ökonomische Vorteile. Vor allem dann, wenn man es schafft, durch pfluglosen Maisanbau einen fruchtbaren Boden mit hoher Bodengare aufzubauen. Das verbessert die Wasseraufnahme des Bodens, reduziert die Düngekosten sowie den hohen Arbeits- und Energieaufwand durch das Pflügen. Das erfordert allerdings ein Umdenken bei der Bodenbearbeitung. Denn Landtechnik, Düngung, Saat, Fruchtfolgen, Unkrautkontrolle sowie Pflanzenschutz usw. müssen an die konservierende Anbaumethode angepasst werden — und das möglichst ohne Ertragsverlust. Derzeit nehmen einige Landwirte an den Anpassungsmaßnahmen teil. Wie bei allem Neuen, was man versucht, geht etwas daneben. Deshalb müssen wir erst einmal Lehrgeld bezahlen.

Wie sind Mulchsaat und Zwischenfrucht beim pfluglosen Anbau einzuordnen?

Brachflächen sind sowohl der Erosion durch Wind und Wasser ausgesetzt als auch unwirtschaftlich. Um das zu vermeiden, werden zwischen zwei Hauptfrüchten wie etwa Mais, Zwischenfrüchte, z.B. Getreide Leguminosen etc. angebaut. Entweder als Futter, zur Gründüngung oder Biomasse-Erzeugung. Nach der Ernte verleibt ein Teil der Pflanzenreste bzw. des Mulches zwischen den Aussaaten der Hauptfrucht auf dem Ackerboden. In der Übergangszeit schützen sie den Boden vor Austrocknung, Feuchtigkeitsverlust und Verschlämmung. Deshalb sprechen wir beim pfluglosen Anbau auch von Mulchsaat. Abgesehen von dieser Schutzfunktion hat die Zwischenfrucht viele weitere positive Effekte, wie die Beispiele zeigen: Sie verbessern die Bodenstruktur, die Drainage, lockern mit ihren Wurzeln den Boden auf, bieten Nahrung für das Bodenleben, wie z.B. Würmer, dienen der Stickstofffixierung, der Unkrautunterdrückung und sorgen für eine positive Humusbilanz. Damit kann auch mehr CO2 in den Böden gespeichert werden und wird wiederum über die Pflanzen als Sauerstoff abgegeben. Zudem sind die Pflanzen Lebensraum für Niederwild, Vögel und Insekten. Wichtig ist, dass der Boden für den Folgefruchtmais gut vorbereitet ist, durchwurzelt und beschattet wird. In einem guten Garezustand sollte er im Frühjahr dann möglichst wenig mit Maschinen bearbeitet werden.

Welche Schwierigkeiten können beim pfluglosen Ackerbau auftreten?

Die Schwierigkeiten sind sehr vielschichtig. Ein großes Problem sind die hohen Niederschläge, wodurch die Böden oft zu nass und zu kalt für die Bearbeitung sind. Der minimierte bearbeitete Boden braucht mehr Zeit, um zu trocknen und sich auf eine keimfähige Temperatur zu erwärmen. Die verspätete Aussaat und damit verbundene verzögerte Wachstum kann der Grund für verringerte Erträge sein. Andererseits kann das im Boden gespeicherte Wasser gerade bei hohen Temperaturen während der Vegetationsperiode ein Vorteil sein, sodass sich die Bestände wieder erholen können. Inzwischen gibt es auch Maissorten, die eine spätere Aussaat ohne Ertragsverlust zulassen. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass sich viele Schwierigkeiten bei der konservierenden Bodenbearbeitung durch eine erweiterte Fruchtfolge lösen lassen.

Müssen Landwirte bei diesen Anbauvarianten mit Mehrkosten rechnen?

Meiner Einschätzung nach gleichen sich die Kosten beim pfluglosen Anbau aus. Das Pflügen ist zeit- und arbeitsintensiver. Hinzu kommen hohe Treibstoffkosten und Materialverschleiß. Die flache Bodenbearbeitung nimmt weniger Zeit und Kosten in Anspruch. Kosten entstehen z.B. für Maschinen zur flachen Bodenbearbeitung oder durch den Einsatz hochwertigen Saatguts. Durch die späte Aussaat kann es zudem zu einem Minderertrag kommen, das ist allerdings auch witterungsabhängig. Da 2023 ohnehin ein schwieriges Jahr für die Landwirtschaft war, lässt sich derzeit schwer beurteilen, inwieweit Mindererträge auf die Art der Bodenbearbeitung zurückzuführen sind. Das Amt für Ländliche Entwicklung (ALE)  unterstützt den maschinentechnischen Mehraufwand , der durch die flache Bodenbearbeitung entsteht, mit einer Förderung in Höhe von bis zu 80 Prozent.

Wo finden Landwirte Beratung und Unterstützung?

Neben der Pflanzenbauberatung des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Traunstein, bietet die Gesellschaft konservierende Bodenbearbeitung e.V. (GKB) Beratung an bei der Umstellung auf pfluglosen Ackerbau. Aber auch bei der Initiative boden:ständig der Verwaltung für Ländliche Entwicklung kann sich man Rat holen oder sich mit Kollegen austauschen, die mit dieser Anbaumethode bereits erste Erfahrungen gesammelt haben.

Wie kamen Sie neben der Bewirtschaftung eines eigenen Betriebes zu ihrem Engagement für Boden und Gewässerschutz?

Mein Vater hat mich sehr früh in unseren Betrieb mit eingebunden und mich ausprobieren lassen. Dabei entwickelte ich einen gewissen Ehrgeiz, Dinge zu verbessern. Außerdem ist die Landwirtschaft ein sehr dynamischer Wirtschaftssektor, bei dem man immer up to date bleiben sollte. Mit dem Thema Boden- und Gewässerschutz habe ich mich verstärkt durch meine beratende Tätigkeit für die Initiative boden:ständig am Abtsdorfer See auseinandergesetzt. Die Vorstellung als junger Absolvent der Höheren Landbauschule älteren, erfahrenen Landwirten etwas über konservierende Bodenbearbeitung zu erzählen, behagte mir anfangs überhaupt nicht. Die Reaktionen waren allerdings positiver, als ich angenommen hatte. Viele Landwirte wissen, dass die konservierende Bodenbearbeitung nicht nur unserem schönen Abtsdorfer See und dem Boden- und Gewässerschutz allgemein dient, sondern auch ihnen selbst wirtschaftliche Vorteile bringt. Man kann deshalb von einer echten Win-Win-Situation sprechen. Indem immer mehr Landwirte nicht nur aufgrund der neuen Erosionsschutzverordnung den pfluglosen Maisanbau testen, leisten sie ihren Beitrag für den Boden und Gewässerschutz. Ein wichtiges Signal besonders für diejenigen, die dem Landwirtschaftssektor kritisch gegenüberstehen.

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