Welche Spuren hinterlasse ich für meine Nachfahren?

Bei "Exploring a Sense of Place" gehen wir auf Entdeckungsreise in die Vergangenheit unserer Landschaft

Kennst du die Geschichte deiner Landschaft?

Schon vor 6000 Jahren lebten Menschen an diesem Ort. Welche Spuren haben sie in der Landschaft hinterlassen?
© Angelika Mangold

Begleitet vom Archäologen Dr. Martin Mainberger konnte die diesjährige "ESOP-Bodensee-Gruppe" einen ganzen Tag lang ihr Gespür für die Geschichte der eigenen Region entwickeln. Für uns war nach diesem Tag eines sonnenklar: Wir Menschen sind hier, um die Landschaft zu formen. Es gehört zu uns, wie zu jedem Tier, dass wir unsere Umwelt verändern und aktiv gestalten. Wie wir das tun, darüber können wir Menschen allerdings nachdenken. Und oft haben wir sogar die Freiheit, uns nach unserem eigenen Willen entscheiden zu können. Das ist schon was Besonderes, finden wir.

Sie haben hier gewohnt, genau da, im Degersee wo wir heute baden waren ihre Häuser auf Pfählen. Gleich hinter der heutigen Liegewiese haben sie ihre Haselnusssträucher kultiviert. Sie haben sie klein und buschig gehalten, damit es leichter war, an die Früchte zu kommen. Mit dem Holz haben sie geheizt und ihre Häuser gebaut. Es war alles voller Wasser hier. Die Felder waren noch nicht wie heute drainagiert. Sie waren dicht bewaldet, unterbrochen von unzähligen Sümpfen, Bächlein und kleinen Tümpeln. Es muss ziemlich anstrengend gewesen sein, diese Ansiedlung hier am Degersee zu finden, ohne sich zu verirren.

Es ist schwer zu beschreiben, was in uns Menschen passiert, wenn sich da plötzlich eine ganz neue Welt auftut, wenn wir den Ort, an dem wir leben auf einmal durch eine neue Brille sehen. Vielleicht kann ich es vergleichen mit dem Moment, wo eine Person, die wir geglaubt haben gut zu kennen, uns auf einmal überrascht mit einem ganz unerwarteten Verhalten. Dann wird uns klar, unser Gegenüber ist vielschichtiger und interessanter, als wir geglaubt haben. Wir bemerken, da gibt es Geheimnisse und vielleicht auch Schätze, von denen wir noch nichts wissen. Deshalb gehen unsere Ohren und Augen plötzlich ein Stückchen weiter auf. Wir sind ein bisschen offener und aufnahmefähiger, können jetzt Dinge sehen, die jenseits dessen liegen, was wir schon kennen.

Wir sind bereit unvoreingenommen wahrzunehmen und dabei neues zu lernen. Eine Fähigkeit, die wir im ESOP-Programm am Bodensee draußen in der Natur gemeinsam kultivieren. Martin Mainberger ist diesbezüglich ein Naturtalent. Ohne die absolute Bereitschaft für Unbekanntes und ohne fein ausgefahrene Antennen, sagt er, findest du nie irgendwelche interessanten Spuren. Du musst alles, was du schon weißt ständig über Bord werfen und mit kindlichen, wachen und neugierigen Augen schauen, nur dann findest du jene Dinge, die es vermögen deine und unsere Welt ein Stück weit neu zu ordnen.

25.10.2021

Regierungsbezirk: Schwaben