Franz Riedelsheimer

Der Bäcker, Jäger und Naturförderer

© Carla Hauptmann

Still ist es draußen in der winterlichen Landschaft. Eisig und neblig. Auf den Feldern haben sich Stängel und Gräser in frostige Skulpturen verwandelt. Wer hier mit Franz Riedelsheimer unterwegs ist, der erkennt auch im November mühelos, dass die Landschaft rund um das oberbayerische Erlbach im Landkreis Altötting ziemlich vielfältig ist. Daran hat er einen nicht unerheblichen Anteil. Er legt Hecken und Weiher an und schafft Biotopstrukturen in der Landschaft. Wie kommt er, der im Hauptberuf die Bäckerei im Dorf betreibt, dazu? „Man muss halt immer die Zusammenhänge sehen“, sagt er. Klingt eigentlich einfach.

Die Zusammenhänge sehen
Die Zusammenhänge sieht er zum einen als Jagdpächter, der 350 Hektar der Erlbacher Flur betreut. Da bekommt man einen Blick dafür, was der Landschaft noch guttäte, einen ganz besonderen sogar. „Als Jäger muss man immer rundum schauen und die Hintergründe kennen, “ sagt Franz Riedelsheimer. Die Hintergründe liegen bei ihm aber nicht nur in der Jägerei. Seit über dreißig Jahren legt er Hecken an. Auf den Feldrainen, die ihm die Landwirte zur Verfügung stellen und entlang von Straßen und Wegen. Schon mit seinem Vater war er draußen, hat selbst Stecklinge aus den Feldgehölze gezogen und dann gepflanzt. Heute sind daraus stattliche Biotopstrukturen geworden, die das Landschaftsbild prägen. „Natürlich kommt mir das auch für das Wild zugute“, sagt er, „aber auch der ganzen Landschaft und der Artenvielfalt.

Landschaft wie eine Partnerschaft betrachten
Doch Hecken sind nicht alles. Viele Biotope hat er schon angelegt, hat Tümpel ausbaggern lassen, hat Schilf verpflanzt und organisiert für die Landwirte das passende Saatgut für die Winterbegrünung der Äcker. Auch gewinnt er Bauern dafür, die bienenfreundliche Silphie statt Mais für die Biogasgewinnung anzubauen, oder auch einmal dafür, eine Fläche brachliegen zu lassen. „Wenn man vertraut ist mit seiner Umgebung, dann weiß man, was wo sinnvoll ist. Das ist wie in einer Partnerschaft. Da sollte man auch wissen, was der andere braucht, damit man gut miteinander leben kann,“ sagt Franz Riedelsheimer. Wenn er auf seinem Hochstand sitzt, hat er einen guten Überblick darüber, was seine Landschaft noch so alles brauchen könnte. Eine großflächige Vernetzung der Biotope zum Beispiel. Da schweben ihm ganz konkrete Dinge vor, die dem Hochwasserschutz zugutekämen. „Mit ganz einfachen Mitteln“, wie er sagt, und man merkt, wie ihm dieses Thema auf den Nägeln brennt.

Im Konsens zu guten Lösungen
In den fünfzig Kilometern Bächen und Gräben im Gemeindegebiet sieht er große Chancen. Er hat auch schon ausgerechnet, was es bedeuten würde, die Durchflussmengen bei Starkregen zu reduzieren und Wasser zurückzustauen. Dafür hat er sich tief ins Thema eingearbeitet und ist auch bereit, sich dafür einzusetzen und Überzeugungsarbeit zu leisten. Doch er weiß auch, dass es wie bei allem um die Zusammenhänge geht und sein umfassender Jägerblick notwendig ist. Die Konsequenzen für die Landwirte sind zu bedenken, auch dafür hat er konkrete Vorschläge im Kopf und setzt auf Kompromisse. „Ich möchte mit allen gut auskommen und Konflikt vermeiden,“ ist seine Devise, und er setzt große Hoffnungen darauf, sein Konzept mit der ILE (Integrierte Ländliche Entwicklung) Holzland, verwirklichen zu können. Denn es geht ihm dabei nicht unbedingt nur um sein Dorf, „sondern um die Dörfer und Städte, die nach uns kommen und immer größere Probleme mit Überschwemmungen haben“. Das Ganze im Blick haben, so ist das bei ihm.

Freude am Geschaffenen
Warum kniet sich jemand so in Themen hinein, und engagiert sich für Flächen in der Landschaft, die ihm nicht gehören, und auf die er langfristig keinen sicheren Einfluss nehmen kann? „Ich freue mich einfach, wenn ich die Sträucher und Hecken sehe, die ich gepflanzt habe,“ sagt Franz Riedelsheimer. Klar, die machen viel Arbeit, er muss sie ja auch pflegen. Wenn dann irgendwo etwas davon zurückgeschnitten werden muss, ist er gefordert, die Leute wenden sich an ihn. Das ist für ihn aber selbstverständlich, „so ist das in einem kleinen Dorf“, und das schätzt er daran. Ihm ist es auch wichtig zu zeigen, dass er als Jäger mehr ist als einer, der auf das Wild aus ist, sondern vieles für den Naturschutz umsetzt.

In die Zukunft investieren
Dafür hat er keine Scheu, sich in neue Themen gründlich einzudenken. Schließlich hatte er am Anfang seines Berufslebens als gelernter Schlosser auch erst einmal andere Pläne, als die Bäckerei in vierter Generation weiterzuführen. Er hadert aber nicht, dass es anders kam, im Gegenteil. Heute legt er Wert darauf, nur Natursauerteig und Mehl aus der Region im Betrieb zu verwenden. Kreativ denken, das kann er, und das verfolgt er in vielen Bereichen. Baut Nistkästen für den Kindergarten, entwirft Logos, schreinert sich eigene Möbel. Da verwundert es auch nicht, dass er sich gemeinsam mit vielen anderen dafür eingesetzt hat, dass in Erlbach statt eines neuen Verwaltungsgebäudes lieber eine Freie Schule eingerichtet wurde. Auch dort ist er ein bis zweimal im Monat aktiv: Mit den Schulkindern geht er raus in die Landschaft und zeigt ihnen die Hecken, die Weiher und den Wald. Stapft mit ihnen durch ein großes Feuchtgebiet, das er angelegt hat und zeigt ihnen die Zusammenhänge in der Natur. „Das können die Kinder nur begreifen, wenn sie es draußen auch erlebt haben“, davon ist er überzeugt. In die Zukunft investieren, das fängt genau hier an.

Regierungsbezirk: Oberbayern