Klaus Gottschlich

Der Naturschutzbeauftragte von Hettstadt

Klaus Gottschlich sitzt auf einer Wurzel

Klaus Gottschlich, Naturschutzbeauftragter von Hettstadt
© Carla Hauptmann

Er kennt jede und jeden. Wer mit Klaus Gottschlich im unterfränkischen Hettstadt im Landkreis Würzburg unterwegs ist, muss darauf gefasst sein, öfter stehen zu bleiben. Landwirte, Radler, Spaziergänger – zu jedem, der ihm begegnet, scheint er eine Verbindung zu haben. Eine Verbindung, die über die Natur, den Wald und die Landwirtschaft besteht und meistens auch darüber hinaus. Genau das ist die Grundlage für seine Aufgabe als örtlicher Naturschutzbeauftragter. Er ist der Vermittler zwischen all den Interessen an der Hettstädter Flur. Und für diese Rolle ist er genau der Richtige.

Ausgerechnet Laubfrösche sind schuld daran. Laubfrösche, die zu hunderten um Klaus Gottschlich herumgehüpft sind. Sie haben ihm seinerzeit beim Flurgang im benachbarten Waldbüttelbrunn auf die Sprünge zur Natur geholfen. Dort hatten der Bund Naturschutz und die Gemeinde schon viel initiiert, „Blühstreifen, Hecken, ich dachte, als Gemeinderat schaue ich mir das mal an“, erzählt er. Mitten im Feuchtgebiet haben ihn dann die vielen, vielen herumspringenden Laubfrösche wie versteinert dastehen lassen. „Plötzlich ist vor mir meine ganze Kindheit abgelaufen“, sagt er „ich war ja früher ein richtiger Landbub, wir haben bei uns in Hettstadt am Rossbrünnle immer gebadet und nachts die Frösche gehört.“ Das war in Vergessenheit geraten, lange Zeit war Klaus Gottschlich als selbständiger Gas- und Wasserinstallateur mit anderen Dingen beschäftigt, und Natur war etwas, wofür sich eher sein Bruder engagiert hat. Das Laubfroscherlebnis hat dann etwas in ihm ausgelöst. „Ich habe gedacht, jetzt schaust Du, dass in Hettstadt was passiert. Denn meine Enkelkinder sollen auch so etwas Schönes erleben können.“

Der „Runde Tisch“ als Keimzelle
Ein „Spätberufener“ sei er, sagt Klaus Gottschlich. Seit 2016 ist er Naturschutzbeauftragter der Gemeinde Hettstadt, der erste überhaupt im Landkreis. Dass es dieses Ehrenamt gibt, ist der Ökomodellregion Waldsasssengau zu verdanken, und die Bürgermeisterin fand seinerzeit, dass es keinen besseren für diesen Job geben könne. Womit sie wahrscheinlich recht hatte, denn Klaus Gottschlich hat nach der Begegnung mit den Laubfröschen sofort losgelegt. Hat dem Hettstädter Bauernverbands-Obmann und dem Vorsitzenden der Jagdgenossenschaft vorgeschlagen, sich mal zusammenzusetzen und zu überlegen, was man machen könnte. Blühstreifen oder kleine Habitate am Waldrand anlegen vielleicht. Dazu hat er auch den Bund Naturschutz eingeladen und das Ganze dann ziemlich schnell zu einem „Runden Tisch“ gemacht, bei dem Ideen und Projekte keimen und wachsen.

Nur gemeinsam
Denn Klaus Gottschlich ist jemand, der alle mit ins Boot holt, die irgendwie mit dem Thema zu tun haben. Den Förster, den Imker, die Naturschutzverwaltung, die Vorsitzende des Gartenbauvereins, die Bürgermeisterin, den Bauhofleiter. Und dann natürlich die Landwirte. Dass die auch alle kommen und bereit sind, viele Maßnahmen umzusetzen, das ist zum großen Teil dem Kommunikations- und Vermittlertalent und der Offenheit Klaus Gottschlichs zu verdanken. Auch vermeintlich wenig interessierte Landwirte überzeugt er immer wieder davon, dass Blühstreifen, Waldsaumgesellschaften, Hecken und Blühwiesen an manchen Stellen sowohl für sie als auch für die Natur viel ertragreicher sind. Mittlerweile kommen Landwirte und Jäger auch mit eigenen Ideen auf ihn zu. Und klar: sein Enkel Theo hat schon mit 18 Monaten seine erste Blühwiese mit dem Opa angelegt.

Der Schmetterling von Hettstadt
Der „Runde Tisch“ ist nun eine feste Institution in Hettstadt. Drei- bis viermal im Jahr kommt er zusammen und man bespricht, welche Möglichkeiten es gibt, noch mehr für die Natur Hettstadts zu tun. Klaus Gottschlich ist dabei das Bindeglied zwischen den Interessen der Landwirte, der Landwirtschaftsverwaltung, der Gemeinde und des Naturschutzes. Er lädt ein, fragt nach Fördermöglichkeiten und vermittelt die passenden Kontakte. Aber, sagt er, Respekt und Verständnis für die Sichtweisen der anderen seien die wichtigsten Voraussetzungen dafür, dass sich etwas bewegen lässt. Das klingt nicht ganz einfach, aber die Begeisterung, mit der Klaus Gottschlich erzählt, scheint mit ein Grund dafür zu sein, dass in Hettstadt Landwirtschaft und Naturschutz keine Gegner sind, sondern zusammen schon viel erreicht und umgesetzt haben. Eine Geheimwaffe hat er dennoch: „Ich begegne jedem mit einem Lächeln“, das schafft schon mal eine gute Basis. Dass er den Spitznamen „Schmetterling“ weghat, trägt er mit Fassung.

Mehr Natur für die Gemeinde
Eines der Lieblingsprojekte von Klaus Gottschlich ist das „Kleelein“, ein Waldstück in der Hettstädter Flur, das die Gemeinde aus der Bewirtschaftung genommen hat. Fast andächtig steht der Naturschutzbeauftragte vor den mächtigen Eichen, vor den „Methusalembäumen“ und den Totholzbäumen, die er gemeinsam mit dem Förster als Naturschutzobjekte gekennzeichnet hat. Er hat aber schon wieder viele neue Projekte im Kopf. Natürliche Regenrückhaltung mit mehreren Gumpen möchte er anlegen, eine Idee, die ihm ein Landwirt zugetragen hat. Mehr Streuobstwiesen schweben ihm vor und Überwinterungsquartiere in den Blühflächen. Er recherchiert unermüdlich nach Projekten, die der Biodiversität in der Gemeinde zugutekommen und findet auch ständig neue Möglichkeiten. Beruflich tritt er mittlerweile kürzer und investiert die Energie lieber in die Hettstädter Natur. Die Gemeinde kann sich bei den Laubfröschen bedanken.

Kontakt:
Klaus Gottschlich
Klingenstraße 3 b
97265 Hettstadt
klausgottschlich1@web.de

Regierungsbezirk: Unterfranken