Cornelia Müller

Die wilde Kräuterwissenvernetzerin

Frauhohe Adlerfarne, dazwischen fühlt sich Cornelia Müller so richtig wohl. Im Wald hinter dem Hof, auf dem sie aufgewachsen ist und heute wieder lebt, kennt sie jedes Moosfleckchen, jeden Baum, und wie es scheint, auch jeden Farnwedel persönlich. Nein, eigentlich ist es umgekehrt, die Bäume und Pflanzen scheinen sich ihr zuzuneigen, wenn sie durch den Wald geht. Das liegt vielleicht daran, dass sie sich jeder Pflanze mit Neugier, mit Achtung und mit Wissen annähert. Und ihnen Geheimnisse entlockt, die man nur entdeckt, wenn man sich genau und umfassend mit ihnen beschäftigt.

Regierungsbezirk: Oberpfalz

Kräuter und Architektur
Cornelia Müller ist Architektin von Beruf und damit auch in der Welt herumgekommen. Aber als sie 2014 nach ihren Wanderjahren wieder in der Oberpfalz ankam, und sie merkte, dass sie neben ihren Kindern und einem Job, in dem sie viele Kompromisse machen musste, noch nach etwas anderem suchte, kam ihr eine Ausbildung zur Kräuterführerin gerade recht. Und irgendwie haben sie die Kräuter wieder hier im Steinwald im Fichtelgebirge verankert. In ihrem eigenen Büro arch wild.studio vereint sie nun beides: Ihre Leidenschaft für Architektur und für die Kräuterschätze in ihrer Umgebung.

Nicht ob, sondern wann
Zum Glück für die ganze Gegend. Denn Cornelia Müller ist eine, die unglaublich viele Gedanken und Ideen im Kopf hat. Und sie ist eine, die daraus Projekte entwickelt und sie auch umsetzt. „Wenn da Herzblut in der Idee ist, dann stelle ich mir nicht die Frage, ob ich das machen soll, sondern nur, wann ich das mache“, sagt sie. So kam es schnell, dass sie aus ihrer Kräuterausbildung in Waldsassen ein Buch entwickelt hat, in das das Wissen aller Kursbeteiligter eingeflossen ist. So kam es auch, dass sie Spinnstubenabende im Ort organisiert hat, in denen Handwerk, Brauchtum und Wissen bei Musik und passendem Essen weitergegeben werden. Und so kam es dann noch, dass sie ein umfassendes Konzept entwickelt hat, wie das Kräuterwissen in der Gegend vernetzt, genutzt und als Wert für eine ganze Region vermittelt werden kann. „Kräuter & Leut‘“ heißt das Projekt und darin steckt enormes Potential, die regionalen Wissens- und Produktschätze zu heben und für Einheimische und Gäste und für Groß und Klein gleichermaßen zugänglich zu machen.

Machen. Und zwar gut
Dass Cornelia Müller dieses Potential nutzen wird, ist keine Frage. „Wenn ich sehe, dass es gut ist, einen Weg zu gehen, gehe ich ihn“. Sie hat schon Kindersachen selbst entwickelt und verkauft, sie ist dabei, ein Projekt zur Nutzung von Schafwolle mit auf die Beine zu stellen, und sie hat Veranstaltungen bei den Heimatunternehmern konzipiert und umgesetzt. Sie ist außerdem nicht nur in der Architektur zu Hause, sondern macht auch Grafik, Fotografie, Design, entwickelt abenteuerliche Kräuterrezepte und probiert alles aus, was einen offenen Geist verlangt. Und was sie macht, macht sie gut, ihr Anspruch an die Qualität ist hoch. „Ich finde es schade, wenn eine Idee da ist, und man versucht nicht, sie umzusetzen“, sagt Cornelia Müller. Und so, wie sie das sagt, scheint es bei ihr das Selbstverständlichste der Welt zu sein, Dinge, deren Potential sie sieht, auch zum Laufen zu bringen. Ihr wissenschaftliches und konzeptionelles Denken gepaart mit Neugier auf das alte Erfahrungswissen anderer kommt ihr da zugute, denn was sie anpackt, geht in die Tiefe. Und ja, sie gibt zu, „ein kleiner Workaholic“ zu sein, der morgens auch mal um vier aufsteht.

Das Besondere herausholen
„Ich will keine genormten, einfachen Systeme anwenden, sondern schauen, was die Natur hergibt“, das ist ihr beim Bauen wichtig und so geht sie auch die Kräuterthemen an. Die Architektur muss derzeit aber zurückstecken, bei den vielen Ideen und Projekten, die sie mit den Kräuterleuten zum Laufen bringt und den weit verzweigten Netzwerken, die sie knüpft. Aber wenn sie ihr Kräuterwissen auspackt und die Besonderheiten der Pflanzen ergründet, dann wünscht man sich und ihr, dass sie nie damit aufhört, den Kokosgeschmack von Brombeerknospen herauszukitzeln, oder Sushi aus Lindenblättern zu rollen, oder mit dem Geschmack von Flechten und Moosen zu experimentieren, oder Farnsalbe zu rühren oder Wurzelabende zu veranstalten, oder, oder, oder.

Andere zum Machen bringen
Gut, dass Cornelia Müller das alles aufschreibt und Bücher daraus macht. Klar, dass sie auch das Layout dafür selbst gestaltet und prima, dass sie damit ihr Wissen mit den vielen Interessierten und Begeisterten teilt. Denn bei all ihren Projekten möchte sie Menschen das Handwerkszeug vermitteln, selbst aktiv zu werden. So ist das bei den Kräuterleuten, und so ist das bei den Menschen, die zu ihren eigenen Führungen und Wanderungen kommen. Die sollen hinterher selbst Pflanzen bestimmen oder einen Kräuterauszug herstellen können und konkrete neue Fähigkeiten mitnehmen. Wenn sie alleine oder mit ihren Kindern durch den Wald streift und sie bei ihren Lieblingsfarnen vorbeikommt, werden ihr bestimmt neue, wilde und ungewöhnliche Ideen kommen. Und davon werden wieder viele Menschen profitieren.

Kontakt:
arch wild.studio
Cornelia Müller
Tannenhäusl 2
D-95704 Pullenreuth
0171 11 98 575
09234 92 80 985
mail@archwild.studio
www.archwild.studio


Mehr zum Projekt Kräuter & Leut' finden Sie hier: Wo Kräuter und Leut' Verbindungen schaffen